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Brillanter Mann. Desaströse Leistung

Sehr nettes Mittagessen mit der spannenden Geschichte eines ehemaligen Coachees, mittlerweile Vorstand in einem der größten Unternehmen unserer Republik.

Vor drei Jahren hatte sich das Board für einen neuen Vorstandskollegen entschieden. Er war in jeder Beziehung brillant, äußerst ehrgeizig, und damit scheinbar perfekt geeignet, seinem künftigen Verantwortungsbereich neuen Schwung zu verleihen.

Er nahm sich sehr viel vor, der Neue. Fast alle Baustellen packte er auf einmal an. Die warnenden Hinweise seiner Kollegen schlug er in den Wind, er gab Vollgas. Nach wenigen Monaten kamen dann die ersten Schwierigkeiten, die wurden allerdings nicht kleiner, sondern immer größer und neue Probleme kamen hinzu. Die Kunden bekamen die Auswirkungen zu spüren und die Presse berichtete immer öfter und immer negativer über die Lage.

Kein Wunder, dass der Mann mit jeder Woche mehr unter Strom stand. Die Anspannung war enorm, der Stress wurde immer größer – und in der Folge ließ die Leistung immer weiter nach. Immer mehr bekam er einen Tunnelblick, immer weniger war er für Hinweise und Kritik ansprechbar... längst war ein Teufelskreis entstanden. Nach zwei Jahren beschloss man, sich von ihm zu trennen.

Und jetzt kommt das Spannende: In seinem letzten Monat, als die Übergabe an seinen Nachfolger lief, war sämtliche Verantwortung, Last und Anspannung von ihm abgefallen. Er hatte die Situation nicht nur akzeptiert, er war geradezu gelöst und gut drauf. „In diesem Monat“, so mein Gesprächspartner, „hatte er wieder genau die Brillanz, derentwegen wir ihn eingestellt hatten.“

Eine bittere, aber eindrückliche Lektion! Wie sehr kann eine zu große Stressbelastung die Performance eines Menschen senken. Nur in einem (weitgehend) entspannten Zustand haben wir den vollen Zugriff auf unsere Ressourcen. Und nur dann sind wir jederzeit in der Lage, frei und flexibel auf schwierige Situationen zu reagieren. Ansonsten schaltet unser System auf „Überlebensmodus“ - mit verheerenden Folgen.