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Das Lamm vom Türken

Er hat ganz sicher das beste Lammfleisch Münchens im Angebot: „Der Türke“, bei dem meine Frau regelmäßig fürs Wochenende einkauft. Egal, wie viele Menschen vor ihr am Tresen stehen, 10 bis 15 Minuten Wartezeit gehören dort zum festen Programm.

Nicht nur, dass immer frisch aufgeschnitten wird, nein, jedes Mal berichtet der Ladeninhaber auch stolz, wo genau das Lamm herkommt, wer es geschlachtet hat und wie sehr er bei alldem auf die Qualität achtet. Und seine Kunden sind jedes Mal voll des Lobes über den letzten Kauf und sagen, wie sehr sie sich schon auf die Zubereitung seines Lammfleisches freuen.

Ein herrliches Ritual, das dort vollzogen wird – und wir alle können davon lernen: Statt nämlich täglich zehn Stunden schlecht gelaunt seinen Job zu machen, sorgt dieser Mann für sich und für seine Kundschaft. Er holt sich das Lob, das ihm guttut, ab. Er ist stolz – und zeigt das auch. Wie wunderbar!

In diesem Geschäft passiert damit das Gegenteil dessen, was ich von den meisten meiner Unternehmerkunden kenne, nämlich: Nichts zu sagen ist schon genug des Lobes. Das Interessante ist dabei, dass keiner so recht glücklich darüber zu sein scheint. Alle Mitarbeiter, inklusive Vorstand und Ge-
schäftsführer, würden sicherlich gerne hin und wieder ein ehrlich gemeintes Lob zu ihrer Arbeit hören. Aber kaum einer von ihnen ist in der Lage, dem Kollegen oder Mitarbeiter selbst einmal ein Lob auszusprechen. Deshalb mögen beide Fragen eine Anregung sein:

Wann haben Sie zuletzt jemandem gesagt, wie zufrieden sie mit ihm oder dem Ergebnis waren? Und vor allem: wann haben Sie sich das letzte Mal ein Lob abgeholt, das Sie sich redlich verdient hatten?

PS: Hier können Sie’s selbst ausprobieren.