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Der kleine große Unterschied

Gemeinsam mit meiner Frau war ich auf einer Feier in einem sehr bodenständigen Münchener Viertel eingeladen.

Spannenderweise bildeten sich recht schnell zwei Gruppen. Eine bestand ausschließlich aus den Frauen, fast alles Lehrerinnen. Die andere Gruppe schien exklusiv für Männer reserviert, offenbar überwiegend Techniker und Handwerker. Ich kannte absolut niemanden – meine Chance zum Lauschen und Lernen.

Konversation am Tisch der Männer: „Mit der Blende beim Sonnenuntergang, da musst‘ fei höllisch aufpassen!“ – „Jo mei, des stimmt.“ Schweigen. „Und wenn‘st des Ganze dann noch aufs Meer raus machen willst, I sag‘s Dir!“ – „Mmmh. Recht‘ hast.“ Schweigen. So ging das den ganzen Abend.

Währenddessen die Konversation am Tisch der Frauen: Probleme mit dem Chef, Troubles mit den Kindern, Selbstzweifel und Selbstfindung. Ich, Du, Wir, Beziehungen – das ganze zwischenmenschliche Spektrum.

Aus diesen in der Tat sehr begrenzten Eindrücken wage ich einen kühnen Bogen, hin zum aktuellen Quotenstreit in den Vorstandsetagen.

Die Folgerung kann da nämlich nur lauten: Her mit den Frauen! Sie werden uns Männern guttun! Ganz einfach, weil sie so selbstverständlich eine Qualität in Gespräche und Begegnungen mit einbringen können, in der die meisten Männer sich oft schwertun: nämlich das Zwischenmenschliche, die Emotionen – und eben auch mal weich und mitfühlend sein zu können, neben all dem Funktionieren und Ziele erreichen.

Es ist ja weder das Sachorientierte noch das Beziehungsorientierte gut oder schlecht. Die Summe macht’s. Wir Menschen brauchen beides. Ganz einfach weil auch unser „System Mensch“ aus diesen beiden Teilen besteht.