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Was Atmen mit Gewinn zu tun hat

„Ein Unternehmen braucht den Gewinn, wie der Mensch die Luft zum Atmen“, soll Herrmann Josef Abs, vor vielen Jahren Chef der Deutschen Bank, einmal gesagt haben. Übersetzt heißt das: Gewinn zu machen ist lebenswichtig. Aber Gewinn zu machen ist nicht das Ziel unternehmerischen Handelns. Kein Mensch lebt schließlich um zu atmen; wir atmen, um zu leben.

Doch genau dieser Fokus geht heute oft verloren. Gewinnmaximierung steht als Selbstzweck über allem und je höher er ausfällt umso besser. Scheinbar. Was sagte nun neulich ein Unternehmer, mit dem ich seit drei Jahren vertraulich zusammen arbeiten darf, zu seinen Führungskräften?

"Gewinn ist mir nicht mehr das Wichtigste. Ohne den Menschen hier im Unternehmen sind wir nichts. Viel zu lange haben die Menschen bei uns auf des Messers Schneide gearbeitet. Wir haben uns nicht mehr gespürt."

Diese Klarheit war nicht einer plötzlichen Erleuchtung entsprungen. Sie war vielmehr das Ergebnis eines schmerzhaften Lernprozesses dieses Unternehmers. Zwar hatte der Umsatz über viele Jahre traumhafte Renditen abgeworfen. Aber der Preis, den die Menschen im Unternehmen dafür hatten zahlen müssen, war alles andere als traumhaft. Frust, Tunnelblick, Erschöpfung und Krankheiten, sowohl bei vielen Mitarbeitern, als auch bei den Führungskräften selbst.

Respekt, für diese Einsicht des Unternehmers. Und Respekt, dass er das so offen ausgesprochen hat. Das ist auf jeden Fall mal ein guter Anfang!