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Helmut Kohl

Gestern wurde der Altkanzler in Strasbourg und Speyer gewürdigt und anschließend zu Grabe getragen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber außer dass Helmut Kohl und ich am selben Tag Geburtstag feiern konnten, verbindet uns noch eine weitere Gemeinsamkeit: wie wir nämlich mit Menschen, die uns wichtig sind, sehr schnell in eine persönliche Beziehung gelangen.

Die FAS berichtet heute: „Unvergessen, wie beide 1993 einander erstmals begegneten. Kohl erzählte Clinton - unter vier Augen - erst mal sein Leben; er hielt es ebenso. Im Nebenraum wurden die Diplomaten nervös; sie fürchteten, dass beide einander gewaltig in die Haare geraten waren, weil Kohl im Wahlkampf den früheren Präsidenten George Bush unterstützt hatte. Doch als die Tür zum Oval Office wieder aufschwang, war die Stimmung völlig entspannt. So machte Kohl Politik: auf der Grundlage einer persönlichen Beziehung.“

Es ist wirklich unglaublich, welch starke und bindende Wirkung solch ein Vorgehen hat. Es ist verbunden mit dem Mut zum Risiko, weil man nie wissen kann, wie der andere auf das eigene Sich-Öffnen reagiert. Aber es wird nahezu immer belohnt mit einer Qualität in der Zusammenarbeit, die auf anderen Wegen gar nicht oder nur über viele Jahre hinweg erreichbar gewesen wäre.

Schade und schmerzlich, dass es Helmut Kohl nicht gelungen ist, dieses tragfähige Vertrauen auch in der eigenen Familie zu leben.