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Scheißkrieg

Dieses Wort war ein oft gebrauchter Ausdruck Helmut Schmidts. Nicht ohne Grund „Schmidt Schnauze“ genannt, nahm er das Wort „Scheiße“ überhaupt viel öfter in den Mund, als man das von einem Funktionsträger seines Ranges erwartet hätte. Es war für ihn Ausdruck maximaler Verurteilung.

Das jetzt, anlässlich seines Todes, noch einmal gehört zu haben, war für mich sehr beruhigend – führe ich dieses Wörtchen doch auch immer wieder gerne im Mund, sei es in meinen Seminaren oder meinen Vorträgen. Für mich ist es vor allem ein Hilfsmittel, Emotionen zu transportieren. Wenn man sich aus Versehen mit dem Hammer auf den Daumen haut, sagt man ja auch nicht: „Oh, wie ärgerlich. Das macht mich jetzt aber wütend.“ Quatsch! Da sagen wir alle Scheiße, nicht wahr? Weil wir wütend sind und das auch zeigen.

Und trotzdem: Führungskräfte sollten sich schon sehr genau überlegen, ob und in welchem Zusammenhang sie dieses Wort benutzen wollen. Mit seiner notorischen Gesprächseröffnung, „Was baust Du hier für einen Scheiß?“, mag Steve Jobs manche Mitarbeiter zu neuen Höchstleistungen angestachelt haben. Aber ebenso regelmäßig hat er Menschen vergrault, die bei einer anderen Wortwahl möglicherweise bei ihm geblieben und damit weiter von Nutzen für ihn gewesen wären.

Gute Führungskräfte sind deshalb flexibel in der Art, wie sie sich mitteilen. Sie können jeden Mitarbeiter genau auf die Weise erreichen, wie er es braucht, um mit neuer Erkenntnis und neuer Energie wieder an die Arbeit zu gehen.

Mal mit besagtem Wörtchen, mal ohne, immer ganz so, wie es passt.