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Lügt der PAT?

Seit über 15 Jahren nutze ich den Personality Assessment Test als zuverlässiges Messinstrument der Stärken und Lernbedarfe einer Führungskraft. Aus dem persönlichen Auswertungsgespräch ist noch jeder schlauer rausgegangen, sind ihm bzw. ihr doch häufig Dinge bewusst geworden, die vor der Auswertung nicht so offensichtlich waren.

Diese Woche gab es jedoch eine Diskussion, in der auch ich selbst wieder einmal etwas lernen durfte. Sagte der PAT doch ganz klar, dass der Proband über nahezu keine Empathie verfügt. Eben dieser bestand jedoch darauf, dass gerade Empathie eine seiner großen Stärken sei. Wer lügt? Gott sei Dank keiner.

Für „Empathie“ gibt es nämlich zwei Definitionen. Die bei uns übliche bezeichnet damit das Einfühlungsvermögen eines Menschen, wie gut es also jemandem gelingt, sein Gegenüber nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern auch dessen Gefühle wahrzunehmen, also spüren zu können. Die angloamerikanische Definition dagegen beschreibt Empathie als die Fähigkeit, beim Gegenüber Reaktionen wahrzunehmen und darauf flexibel reagieren zu können. Wenn man so will, spielt sich „unsere“ Empathie vorwiegend innerlich ab, die der Angloamerikaner dagegen äußerlich.

Und wie verhielt es sich nun bei dieser Führungskraft? Er konnte in der Tat einige Situationen beschreiben, in denen er sehr gut spüren konnte, wie es seinem Gegenüber im Augenblick geht. Aber er musste sich auch eingestehen, dass, wenn er in einem Gespräch mal Gas gegeben hat, er kaum noch zu bremsen ist. Er steckt dann in seinem „Film“ fest, will unbedingt sein Ziel erreichen - und ignoriert darüber die Signale seines Gesprächspartners. Er macht diesen geradezu platt.

Fazit: Die Führungskraft hatte ein gutes Mit-Gefühl. Aber sie war ein mäßiger Gesprächspartner.