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Massiver Rollenkonflikt

Hätte ich vorher gewusst, wie sehr dieses Mandat meine Ehe belasten würde – ich hätte den Auftrag nicht angenommen. Einer der Auftraggeber meiner Frau wollte sich strategisch neu aufstellen, wusste aber, dass er das alleine nicht schaffen würde. Auf Empfehlung meiner Frau wurde ich gebucht und wir arbeiteten erstmal sehr gut drauf los, bis ...

... ja, bis der Geschäftsführer eine Entscheidung zu treffen hatte: Wird der Geschäftsbereich, für den meine Frau als Freiberuflerin tätig ist, weitergeführt oder geschlossen? Er entschied sich dafür, ihn zu schließen – und bat mich darum, vorerst strengstes Stillschweigen darüber zu bewahren. Meine Frau ahnte, dass da etwas auf sie zukommen würde. Die Angst, dass sie dort künftig keine Aufträge mehr bekommen würde, trieb sie massiv um. Ich selbst wollte ihr zum einen helfen, mich zum anderen aber auch nicht zum Sprachrohr des Geschäftsführers machen. Diese schlechte Nachricht sollte er ihr und den Kollegen schon bitte persönlich überbringen.

In einem solchen Rollenkonflikt habe ich auch noch nie gesteckt: Den Kunden dahin zu begleiten, dass am Ende meine Frau dort „arbeitslos“ ist – und anschließend nicht darüber sprechen zu können. Anders formuliert: Beruflich als Moderator einen sauberen Job zu machen und genau deswegen später als Ehepartner ein massives Problem zu bekommen. Wirklich eine hässliche und sehr belastende Erfahrung.

Meine Lernkurve lautet einmal mehr, Privates und Geschäftliches nicht zu verbinden, selbst wenn der geschäftliche Auftrag auf den ersten Blick ebenso harmlos wie lukrativ aussehen mag.