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München, 22. Juli - und Sie?

Egal, ob es ein rechtsradikaler Amokläufer war oder ein Selbstmordattentäter: Noch nie waren mörderische Gewalt und Terror in Deutschland so häufig und zugleich so alltagsnah wie in diesen Wochen.

Haben Sie inzwischen auch das Gefühl, dass Ihre üblichen inneren Schutzmechanismen nicht mehr wirklich funktionieren? Dieses Sich-beruhigen, in dem man denkt, der Terror ist ja weit weg (Syrien), oder dem betroffenen Land ist die Integrationspolitik missglückt (Frankreich)...?

Was macht das jetzt mit Ihnen? Ich merke: Es macht mir zwar keine Angst, aber es bedrückt mich, nimmt mir ein Stück weit die Luft zum Atmen und für den Augenblick die Freude am Leben.

Was tun Sie, um besser mit Ihren Gefühlen umzugehen? Eine Kollegin hatte sich am Abend des Attentats fünf Stunden „Tagesschau-Extra“ reingezogen – und im Anschluss einen Wutbrief an die Redaktion geschrieben. Die Sendung war sinnlos, weil es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Fakten gab. Und so schürte sie Ängste, indem Reporter auf Verdacht Zusammenhänge herstellten, die sich später als falsch herausstellen sollten.

Ich selbst habe an diesem Abend die umgekehrte Strategie gewählt. Genau zwei Mal, um 19 Uhr und um 23 Uhr, habe ich kurz auf tagesschau.de nachgesehen, was an Fakten bekannt war. Und um mir selbst die Stimmung nicht zu vermiesen, habe ich mir einen gemütlichen Abend mit meinem Sohn gemacht, mit spannenden Geschichten und Kartenspielen. Nur zu Beginn, vor der ersten Runde, sprachen wir kurz über die Situation und ihre Hintergründe.

Und Sie? Welche Gefühle lösen derartige Ereignisse bei Ihnen aus? Und welche Strategie hilft Ihnen, gut damit umzugehen?