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Nobbis Macht

Herrlich, was Norbert Blüm in Spiegel Online über seine Macht als Minister der Regierung Kohl sagte. Es mag allen Führungskräften an der Spitze als freundliche Empfehlung dienen, nicht nur ihre funktionale Macht, sondern auch ihre Überzeugungskraft zu nutzen.

Blüm: „Meine Macht bestand darin, mich mit Tomaten bewerfen zu lassen und 16 Jahre durch Entrüstungsstürme zu gehen. Ich kenne alle Reifegrade von Tomaten. Ich weiß nicht, ob das Macht war.“

Spiegel Online: „Das meinen Sie nicht ernst?“

Blüm: „Um was durchzusetzen, sagen wir mal die Pflegeversicherung, brauchen Sie weniger Macht, sondern Hartnäckigkeit. Manche denken, Macht, das ist ein Hebel, den musst du nur umlegen. In Wirklichkeit musst du ein Jahr wie ein Klostermönch an nichts anderes denken als an die eine Sache. Du musst jedem, der abweichen will, nachlaufen, ihn streicheln oder ihm in den Hintern treten. Eingebildet, wie ich bin, würde ich sagen, ohne mich wäre die Pflegeversicherung nicht gelaufen. Die war gefühlt zehnmal im Vermittlungsausschuss. Aber wo soll da ein Machterlebnis sein?“

Natürlich hat jeder Unternehmer oder Vorstand die Möglichkeit, den Machthebel einfach umzulegen. „Einsame Entscheidung“, so wird das dann gerne genannt. Mir hat schon so mancher Kunde erzählt, wie unglaublich nervenaufreibend die Monate nach solchen Entscheidungen sind. Wie viel Kraft es dann im Nachhinein kostet, doch noch alle gewinnen und mit an Bord holen zu müssen. Denn genau in diesen Monaten wird deutlich, wie wenig vorangeht, wenn diejenigen, die es vorantreiben sollen, inhaltlich nicht davon überzeugt sind.

Erfahrungen wie diese zeigen, dass es deutlich sinnvoller ist, die eigenen Überzeugungskräfte bereits im Vorfeld der Entscheidung zu investieren. Und nicht erst im Nachhinein.