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Schuhe kaufen in Moers

15 Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben rahmengenähte Schuhe gekauft habe. Das war damals im schönen Moers, und ein Geschäftstermin dort hat die Erinnerung daran wieder lebendig werden lassen.

Es war typisch: Ich stand vor einem großen Regal mit schätzungsweise rund 60 Paar verschiedener schwarzer Straßenschuhe. Mein Blick scannt die Modelle, ich zeige auf zwei Paar „Die beiden gefallen mir“ – und der Inhaber antwortet trocken, da hätte ich nun genau die zwei teuersten von allen herausgepickt.

Der Preis solcher feinen Schuhe liegt beim drei- bis vierfachen von normalen Straßenschuhen. Das nahm ich erstmal nur zur Kenntnis. Aber als ich sie dann anprobiert hatte, war’s um mich geschehen. Wer einmal solche Schuhe an den Füßen hatte, weiß wovon ich spreche. Es ist ein unvergleichlich gutes Gefühl. Mein einziges Problem war jetzt nur noch: Wie erkläre ich das meiner Ehefrau zuhause, die beim Einkaufen selbst immer so sparsamen ist?

In den folgenden zwanzig Minuten liefen dann zwei Dialoge parallel ab. Der eine war mein Gespräch mit dem Verkäufer, der mir ausführlich die Vorteile dieses Schuhwerks erklärte. Letztlich war das vollkommen überflüssig, weil ich ohnehin schon entschieden hatte, sie haben zu wollen. Der viel wichtigere Dialog lief deshalb in mir selbst ab. Ich suchte nach Antworten auf die Frage: Wie erkläre ich das Ganze meiner Frau? Wie überzeuge ich sie davon, dass diese Schuhe ein guter und vernünftiger Kauf sind? Das zu klären, war der tatsächlich schwierige Teil.

Ich weiß heute nicht mehr, welche Argumente ich schließlich gefunden hatte. Aber als ich im inneren Selbstgespräch eine plausible Argumentationskette beisammen hatte, sagte ich zum Verkäufer: „Bitte einpacken! Ich kaufe!“ und habe es auch später nie bereut.

Erkenntnis des Tages: Gute Entscheidungen brauchen ein äußeres und ein inneres „Ja“. Und beides sicherzustellen, kann manchmal ein Stückchen Arbeit bedeuten.