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Vom Vorteil einer Alkoholiker-Mutter

Nach dem Mittagessen gehe ich meist bei einem Konditor vorbei und kaufe mir drei Pralinen. Ich liebe Süßes nach dem Essen! Neulich schwärmte mir der Chef der Konditorei von seiner neuen Mitarbeiterin vor: Die Fleißigste, die er je hatte. Einhundert Prozent zuverlässig. Putzt gründlich die Regale, obwohl sie das gar nicht müsse. Superfreundlich zu den Kunden. Und, und, und...

Auf meine harmlos gemeinte Antwort, das müsse sie wohl im Elternhaus vermittelt bekommen haben, berichtete er vom Leben dieser jungen Frau: In einem Armenviertel aufgewachsen, war sie das Älteste von insgesamt fünf Geschwistern. Die Mutter war Alkoholikerin und der Vater davongelaufen, als sie selbst erst sieben Jahre alt war.

In einer Zeit also, wo es der Entwicklung des kleinen Mädchens gutgetan hätte, zu spielen und mit Freundinnen die Welt zu entdecken, musste sie funktionieren und sicherstellen, dass die Familie überlebt. Dieser Verlust ihrer Kindheit machte sie einige Jahre später zur äußerst geschätzten Mitarbeiterin. Ein trauriges Paradox. Aber in seinem Grundmuster ein typisches.