zurück zur Übersicht

Von Hundert auf Null

Vor einem Jahr lernte ich auf einer privaten Feier einen Vermögensberater kennen und fragte ihn, ob er nicht meine kompletten Finanzen prüfen könne. „Für Dich mache ich das gerne und selbstverständlich umsonst!“ war seine Antwort, die mich sehr gefreut hat. Zumal er mir nicht nur äußerst sympathisch war, sondern auch extrem glaubwürdig erschien.

Im ersten 2-Stunden-Gespräch teilte er mir (sauber begründet) mit, weshalb drei Viertel meiner Anlagen sich nicht rentierten. Ich war zwar schockiert, aber dankbar, dass er mir das aufgezeigt hatte.

Ab dem zweiten Gespräch ging es dann jedoch steil bergab. Nicht mit den Kursen meiner Papiere, sondern mit meinem Vertrauen zu ihm. Obwohl ich ihn nicht darum gebeten hatte, empfahl er mir plötzlich die Umschichtung in einen Fonds, der genau meine Bedürfnisse abdecken würde. Mein Vertrauen sank in diesem Augenblick von 100 auf maximal noch 20 Punkte – war doch damit klar, dass seine gesamte Beratung eben nicht umsonst war, sondern ich ihn ggf. über seine Provisionen bezahlen würde. Und die Objektivität in der Beratung konnte ich in diesem Augenblick ebenfalls abschreiben.

Als ich dann noch eine Aussage von ihm prüfte, wonach eine seit 15 Jahren laufende Lebensversicherung bisher null Wertzuwachs habe, musste ich feststellen, dass diese Behauptung, obwohl er sich bei der Versicherung angeblich erkundigt hatte, schlicht falsch war. Ob es seine Inkompetenz war oder seine bewusste Falschaussage kann ich nicht beurteilen. Will ich auch nicht mehr. Brauche ich auch nicht mehr. Der Ofen war aus, das Vertrauen auf null.

Ich mag es ja, auf Menschen offen und mit einem großen Vertrauensvorschuss zuzugehen. Aber ich muss erkennen: Hilfreich ist auch eine sehr gesunde Portion von Misstrauen. Gut, wenn man beides hat!