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Als Chef die Klappe halten?

Mein Buchprojekt kommt voran, die ersten einhundert Seiten sind geschafft :)

Dieser Tage habe ich mich mit dem häufigsten Fehler beschäftigt, den ich bei Führungskräften im Gespräch mit ihren Mitarbeitern beobachten kann: Sie reden zu viel. Deshalb hier nun sieben Gründe, weshalb das zwar üblich, aber nur selten hilfreich ist.

(1) Der Chef hat sich warmgeredet? Eine schöne Möglichkeit für viele Mitarbeiter sich innerlich entspannt zurückzulehnen und abzuschalten. Wichtig: trotzdem weiterhin freundlich und aufmerksam gucken.

(2) Der Kurzzeitspeicher des Zuhörers läuft über. Alle Argumente, die vor mehr als drei Minuten kamen, sind längst gelöscht, damit das Neue wieder oben drauf gepackt werden kann.

(3) Je länger der Monolog, umso weniger Möglichkeit zur Rückkopplung: Hat die Mitarbeiterin mich überhaupt verstanden? Weiß sie auch wirklich, wie ich es meine?

(4) Von allen Argumenten, die eine Führungskraft in ihrem „Vortrag“ aufführt, wird sich der Mitarbeiter bei seiner Antwort zielgerichtet eines herauspicken: dasjenige, das zu widerlegen ihm am leichtesten fällt. Damit ist jedoch auch am wenigsten gewonnen.

(5) Jede Minute, in der die Führungskraft spricht, nimmt sie sich die Chance, etwas Neues, möglicherweise Relevantes, von ihrem Gegenüber zu erfahren. Sie hört nur, was sie eh schon weiß.

(6) Genau dadurch landet sie auch in einer Wahrnehmungsfalle. Da die Führungskraft vor allen Dingen sich selbst und ihre eigenen Argumente hört, entsteht leicht die wohlige Illusion, man hätte sich gut verstanden und wäre sich einig.

(7) Schließlich ist eine viel redende Chefin für den Mitarbeiter sehr bequem. Mit jeder weiteren Minute in ihrem Monolog bleibt schließlich auch immer eine Minute weniger übrig, in der der Mitarbeiter gefordert ist, wo er Stellung beziehen muss, sich zeigen, sich positionieren. Wenn er geschickt ist, stellt er gleich eine Gegenfrage - und verhält sich dann so, wie bei Nummer (1) empfohlen.

Klar, alle Punkte sind zugespitzt und überzeichnet. Aber hoffentlich umso mehr auf den Punkt gebracht. Fallen Ihnen spontan noch weitere Aspekte ein, die für’s, pardon, „Klappe halten“ sprechen? Da freue ich mich über Ihre Kommentare!