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Familienbande

„Private Themen gehören nicht in ein vom Unternehmen gezahltes Coaching“, sagte mir vor vielen Jahren ein Personalleiter in einem Tonfall, der an die Verkündung eines päpstlichen Dogmas erinnerte. Doch was sich zuerst logisch anhört, ist im Grunde weder klug noch hilfreich.

Kürzlich hatte ich einen Vorstand im Einzelcoaching, der wegen seiner Tochter massivem familiären Stress ausgesetzt war und darunter sehr stark litt. Wochenlang schlief er schlecht, konnte sich tagsüber nur noch mäßig konzentrieren und strahlte auch nicht mehr die Energie und Motivation aus, wie sie den eigenen Mitarbeitern sicher gutgetan hätte.

Können wir unser Privatleben zuhause lassen, so wie man eine Unterlage zuhause lässt und nicht mit in die Arbeit nimmt? Niemals. Wäre mein Coachee wegen seiner familiären Sorgen jemals zu einem Psychologen gegangen? Niemals. Selbstverständlich haben wir deshalb an diesem „privaten“ Thema gearbeitet. Und wie sich bald darauf herausstellen durfte: mit Erfolg. Mein Coachee konnte lernen, das Tempo seines ängstlichen Gedankenkarussells zu bremsen und mit ausgewählten Kollegen offen über seine Situation zu sprechen.

Es gibt nun mal lediglich einen Menschen – und der muss sowohl private wie auch berufliche Funktionen ausfüllen. Für ein Unternehmen ist es deshalb höchst profitabel, wenn der Coachee gelegentlich auch akute persönliche Themen einbringt.

Es dient und nutzt allen Beteiligten: Dem Vorstand und dem Familienvater. Den Mitarbeitern und der Familie.