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Männer, Emotionen, Konflikte

Dass wir Männer die Dinge gerne sachlich sehen, ist bekannt. Gerade bei Führungskräften in technischen Branchen kann ich das häufig in Reinkultur beobachten. Spannend wurde es deshalb für mich, als ich dieser Tage einen Auftrag zur Konfliktklärung zwischen drei Bereichsleitern bekam, deren technisches Produkt nur durch perfektes Zusammenspiel ihrer drei Verantwortungsbereiche gelingen kann.

Warum spannend? Weil Konflikte sich eben fast nie allein auf die Sachebene beschränken lassen. Die Emotionen sind nahezu immer beteiligt, auch wenn „Mann“ das nicht gerne wahrhaben möchte. Deshalb war ich auch froh, hier nicht als reiner Mediator meinen Job machen zu müssen, sondern auch auf die Methoden der Klärungshilfe zugreifen zu können. Im Gegensatz zur klassischen Mediation nämlich stehen hier die Emotionen der Konfliktpartner ausdrücklich im Mittelpunkt.

Ein intensiver Prozess war das: immer und immer wieder führte ich die Konfliktpartner ebenso behutsam und wie konsequent von der Ebene ihrer sachlichen Argumente zu ihren gegenseitigen Vorwürfen und von dort weiter zu ihren Emotionen, die meist aus einer Mischung von Wut, Ärger und Ablehnung bestanden. Aber eben auch: aus Ohnmacht, Sorgen und manchmal sogar Ängsten.

Wozu es das alles braucht? Nun, die Erfahrung zeigt, dass dauerhafte Versöhnung und neue Verständigung nur auf der emotionalen Ebene zwischen den Konfliktparteien gelingen kann. Die Befürchtungen im Vorfeld sind immer genau das Gegenteil: dass, wenn die wahren Gefühle erst einmal ausgesprochen sind, man vor einem Scherbenhaufen steht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und so waren am Ende des Gespräches auch alle drei Bereichsleiter beeindruckt über die gegenseitige Offenheit und das erzielte Ergebnis. Selbst der Vorstand hat mittlerweile von sichtbaren Veränderungen berichtet.

Und trotzdem: Es gibt keine Garantie für ein nachhaltiges Gelingen. Aber eine extrem gute Voraussetzung, die haben die drei Bereichsleiter geschafft!