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Mensch trifft auf Unternehmen: Crash!

Wussten Sie, dass ein Unternehmen per se un-menschlich ist? Dass es aber - wie wir Menschen auch - seine ganz eigenen Bedürfnisse hat? Wie absurd es werden kann, wenn diese aufeinander treffen, dazu zwei Geschichten - und eine Konsequenz.

Ein Kollege erzählte mir von der früheren Krise eines großen Automobilkonzerns. Dem Unternehmen ging es so schlecht, dass der Vorstand beschloss, alle in Kurzarbeit zu schicken, außer der Entwicklungsabteilung. Die sollte schließlich die Entwicklungen für künftiges Geschäft vorantreiben. Eine sehr sinnvolle Überlegung; sie hätte dem Unternehmen und dessen Bedürfnis nach „Überleben sichern“ absolut entsprochen. Dazu kam es aber nicht. Warum? Der Betriebsrat hatte sein Veto eingelegt und die Sache gekippt. Begründung: Das ist doch ungerecht, wenn die einen mehr, die anderen aber weniger arbeiten müssen. Und Gerechtigkeit ist schließlich extrem wichtig; eine solche Lösung lassen wir nicht zu!

Ganz aktuell ist die nächste Geschichte von einer Führungskraft, neu im Unternehmen, zweite Ebene. Wegen Corona waren alle in ihren Homeoffices gelandet. Ein Graphiker benötigte nun für seinen Heimrechner eine kleine Zusatzsoftware, Kostenpunkt 60 Euro. Als der Antrag dafür beim Personalleiter gelandet war, kam dieser zur neuen Führungskraft und beschied ihr, dass das so ja nun garnicht ginge. Einem Mitarbeiter 60 Euro geben, die anderen aber leer ausgehen lassen … Sie ahnen es: Das ist ungerecht! Wie sah die Lösung aus? Man beschloss, jedem der 300 Mitarbeiter eine Pauschale von 100 Euro für Software zukommen zu lassen. Gesamtinvestition: 30.000 Euro. Statt 60.

In meinen Gedanken sehe ich Sie, liebe Leser, den Kopf schütteln. Das habe ich auch, als man mir das erzählt hat. Hier prallen menschliche Bedürfnisse (Gerechtigkeit) und die Bedürfnisse eines Unternehmens (Effektivität, Effizienz) heftig aufeinander. Leidtragender ist beide Male das Unternehmen - und das unter der Flagge moralisch korrekten Handelns.

Führungskräfte, die Unternehmertum leben, erkennen die Absurdität solcher Lösungen. Sie unterbinden diese. Und, sehr wichtig, sie machen sich die Mühe, das Vorgehen gegenüber Mitarbeitern, die sich beschweren gut zu erläutern und zu begründen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, beim nächsten Mal sinnvollere Wege gehen zu können.