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Sie sehen aber gut aus!

Noch vor der Corona-Zeit kam mein Coachee, Mitte 50, Vorstand eines großen Finanzdienstleisters, morgens ganz beschwingt in die Coachingsitzung gelaufen. „Stellen Sie sich vor, Herr Schmeer, was ich gerade an der Rezeption erlebt habe!“ begann er seine Geschichte. „Ich war zum Zahlen meiner Hotelrechnung am Tresen angekommen, als die Rezeptionistin mich anguckt, einen Augenblick lang gar nichts sagt und es dann förmlich aus ihr herausplatzt: ‚Mein Gott, sehen Sie aber gut aus!‘ sagte sie zu mir. Ist das nicht irre?!“

In der Tat sieht mein Coachee für sein, pardon: für unser Alter extrem gut aus und so haben wir uns beide über dieses tolle Kompliment gefreut. Erst einige Tage später erkannte ich plötzlich, was Führungskräfte generell aus einer solchen Situation lernen können.

Die Rezeptionistin hatte nämlich nichts anderes getan als zu sagen, was sie dachte. Sie ging damit in Beziehung zu ihrem Gegenüber. Sie gab ihm für den Augenblick ein gutes Gefühl. Und ich bin sicher, dass sie darüber hinaus auch das Selbstwertgefühl meines Coachees noch ein Stückchen mehr gestärkt hat.

Einerseits ist es ja absolut naheliegend, so etwas Nettes gesagt zu haben. Andererseits: wie selten teilen wir dem Gegenüber tatsächlich mit, was wir Positives über ihn denken? Es muss ja nicht gleich das Aussehen sein. Das ist, gerade in einer hierarchischen Führungssituation, und dann auch noch von Mann zu Frau (oder umgekehrt) heikel. Aber dass, zum Beispiel, die Präsentation toll gelungen ist? Dass eine Unterlage schlüssig argumentiert? Dass in einer schwierigen Kundenbeziehung endlich wieder Ruhe eingekehrt ist? Wie oft denken die Führungskräfte genau das – und wie selten sagen sie es ihren Leuten auch!

Anerkennung ist einfach und wirkungsvoll. Wem wollen Sie heute noch ein positives Feedback zu seiner Leistung geben?