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Wieviel PS haben Sie unter der Haube?

Auch wenn Alter, Fitness, Ernährung und mentale Einstellung eine Rollen spielen mögen, wir Menschen scheinen bereits von Natur aus mit unterschiedlich starker Leistungsfähigkeit ausgestattet zu sein. Verglichen mit einem Auto, kommen manche Menschen bereits mit 50 PS durchs Leben. Ich selbst schätze mich bei rund 180 PS ein. Beruflich habe ich aber oft mit Hochleistern zu tun, die mindestens 500 PS „unter der Haube“ haben müssen.

Selbst als Coach und Vertrauensperson, der ich immer wieder hinter die Kulissen dieser Leistungsträger blicken darf, bin ich doch beeindruckt, wie enorm viel diese Menschen in ihrem Leben bewegt kriegen und wie viele Bälle sie oft über Jahre hinweg gleichzeitig in der Luft halten können. Als einer, der seine eigenen Krisen sehr gut kennt, gucke ich manchmal mit etwas Neid auf diese Energiebündel.

Umso mehr hat mich kürzlich in Hamburg die Erzählung einer solchen Höchstleisterin berührt, mit der ich vor einigen Jahren viel zusammengearbeitet hatte. So erzählte mir die Unternehmerin von einem bevorstehenden Merger, das sie seit Monaten eingefädelt hat, von ihrem Architektenhaus, in das sie eingezogen war, vom Tod der Mutter und eben auch vom Tod der Nachbarin, beides erst einige Monate her.

Tja... und was zu viel ist, ist einfach zu viel... Die Unternehmerin merkte zum einen schon vor den Todesfällen, wie ihre Kräfte „eigentlich“ am Ende waren. Aber eine Auszeit zu nehmen, war „natürlich“ undenkbar. Als dann aber diese zwei Menschen aus ihrem direkten Umfeld nicht mehr da waren, da lief das Fass mit den Themen, die sie zu verarbeiten hatte, einfach über.

Sie kam über Wochen morgens kaum noch aus dem Bett und realisierte, dass sie in einer depressiven Phase angekommen war. Und sie beschloss, dem allen nicht mehr mit den üblichen (Aufputsch- und Ablenkungs-) Mitteln begegnen zu wollen, sondern, ja, tatsächlich: eine Therapie zu machen.

Zum Zeitpunkt unseres Gespräches war diese Therapie noch am Laufen. Aber schon jetzt konnte die Unternehmerin feststellen, wie äußerst entlastend diese für sie war, wie gut sie ihr tut und vor allem: wie viel besser sie jetzt ihre Grenzen beachten kann – im Unterschied zu früher. Wie schön, das freut mich sehr für sie!

Was ist nun die Moral von der Geschichte?

(1.) Jeder, absolut jeder von uns, hat seine persönlichen Leistungsgrenzen. Egal ob er mit 50 oder mit 500 PS durchs Leben „fährt“. Wir sind sehr, sehr gut beraten, diese immer im Blickfeld zu haben.

(2.) Und natürlich: es mag hilfreich und verdammt wohltuend sein, ein paar Sitzungen bei einem erfahrenen Coach zu nehmen, bevor man später für ein bis drei Jahre jede Woche zum Therapeuten gehen muss. Wer sich hier angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, sich einfach mal zu melden!