Liebe Vorstände, eure größte Bremse ist nicht der Markt.
Es ist euer Schweigen über eure eigenen Ängste.
Ich sitze mit einem Vorstandsteam in der Klausur. Lange reden wir über Verantwortung, Strategie und Märkte. Alles sauber, professionell, kontrolliert. Dann sagt einer plötzlich einen Satz, der alles verändert: „Ich habe echt Angst, dass wir hier eine Fehlentscheidung treffen. Und irgendwann keine Rolle mehr spielen.“ Der Raum wird still. Keiner lächelt die Sätze weg.
Stattdessen ist auf einmal etwas da, was vorher fehlte: echte Nähe. Denn jeder versteht den Kollegen. Und so löst sich das Thema erstmal von der sachlichen Ebene. Die Vorstände sprechen über Angst vor Scheitern und vor Bedeutungsverlust. Genau diese Ängste steuern schon lange ihr Handeln. Aber bisher nur im Verborgenen. Jeder trägt sein Paket allein. Nach außen sind alle stark. Innen kämpfen sie.
Solange diese Ängste nicht ihren Platz im Raum haben, lenken sie jede Entscheidung. Dann wird Kontrolle wichtiger als Mut. Und Absicherung wichtiger als Tempo. Man redet von Unternehmertum, aber lebt Verwaltung. Dafür muss sich keiner schämen. Dieses Spiel haben alle so gelernt. Nur: es tötet Lebendigkeit im Vorstand. Und in der Folge echtes Unternehmertum.
In dem Moment, in dem ein Vorstandsteam beginnt, Verletzlichkeit zu teilen, passiert etwas Erstaunliches. Die Atmosphäre wird leichter. Die Gespräche werden klarer. Konflikte wirken weniger bedrohlich. Entscheidungen gehen schneller. Nicht, weil alle plötzlich weich werden. Sondern weil Vertrauen wächst. Ausgesprochene Angst verliert ihre Macht.
Es mag irre klingen, aber ich bin sicher: Geteilte Verletzlichkeit ist einer der stärksten Hebel für echtes Unternehmertum im Vorstand.
Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Schreib es mir gerne hier
Bildquelle: ChatGPT