Wenn Nachschlagen wichtiger wird als Entscheiden

20 Ordner Regeln. 0 Unternehmertum.

Wie viele Ordner liegen bei dir im Schrank?

Fast 30 Jahre sitzt Reinhold Hemper im Vorstand „seiner“ Volksbank, 25 Jahre als Vorsitzender. Jedes Mal, wenn es Streit gibt, wie ein Kredit zu bearbeiten ist, sieht er seine Chance gekommen: Da ist etwas ungeklärt. Also entscheidet er. Und vor allem: Er schreibt es auf. Ab in den IWD, den „Internen Weisungsdienst“.

Seite für Seite wächst so eine riesige Sammlung von Regeln. Bald sind es fast zwanzig prall gefüllte Ordner. Alles sauber geregelt. Alles nachlesbar. Alles klar – denkt er.

Hemper meint es gut. Er will Sicherheit. Er will, dass ähnliche Fälle in Zukunft gleich behandelt werden. Nur: In der Bank wächst nicht die Sicherheit. Es wächst die Angst.

Führungskräfte und Mitarbeiterinnen bekommen Schweißperlen, wenn jemand fragt: „Hast du bei dem Darlehen an Müller auch an IWD 15.4.23, 12.8.87 und 46.12.1 gedacht?“ Die Angst, etwas zu übersehen, steigt mit jeder neuen Seite.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich etwas übersehen wird, steigt genauso. So entsteht keine Verantwortung. So entsteht Defensive. Das Dumme: Die Angst, etwas falsch zu machen, ist Killer Nummer 1 von Unternehmertum.

Für mich steckt noch etwas anderes darin. Überregulierung ist oft auch ein Versuch, sich Arbeit zu sparen. Die Arbeit mit Menschen nämlich. Die Gespräche. Das gemeinsame Ringen um gute Entscheidungen.

10.000 Seiten Kleingedrucktes, damit ich bei Nachfragen nur noch auf den Ordner verweisen muss? So ticken wir Menschen nicht. Das sind Pseudolösungen, deren Schaden größer ist als ihr Nutzen.

Wie viele „IWD-Ordner“ habt ihr in eurem Unternehmen – sichtbar oder unsichtbar? Schreib es mir gerne hier

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