Generationenwechsel ist kein Programmpunkt.
Es ist ein innerer Prozess – sichtbar im Gesicht des Seniors.
Ich war bei einer schönen Veranstaltung eines Unternehmerverbandes. Dort präsentierte sich eines der wenigen Bankhäuser, das noch zu 100% in Familienhand liegt. „Der Alte“, wie er sich selbst nannte, sprach über den Generationenwechsel: ruhig, freundlich, humorvoll, sehr nah bei seinen Zuhörern. Ich mochte ihn sofort.
Dann rief der Moderator seine zwei erwachsenen Kinder spontan auf die Bühne. Die erklärte Nachfolgegeneration. Plötzlich stehen die beiden im Mittelpunkt, alle schauen zu ihnen – aber nicht mehr auf ihn. Und dann kippte die Szenerie. Der Körper des Seniors sprach lauter als seine Worte von vorher.
Er blieb ganz vorne stehen, die Lippen fest zusammengekniffen. Ganz langsam wanderte sein Kinn immer höher,
gefühlt bis zur Decke. Die unbewusste Botschaft war klar: „ICH bin hier der Chef. Und allein ich bestimme,
ob und wann sich daran etwas ändert.“
In diesem Moment sah ich seinen inneren Konflikt: Die Vernunft sagt „Loslassen“, das Gefühl sagt „Bleiben“.
Mein Learning aus vielen Familienunternehmen: Der Wechsel gelingt nicht über Organigramme, Verträge und schöne Reden. Er gelingt erst und nur dann, wenn der Senior innerlich sagen kann: „Es ist gut. Ich lasse Platz.“ Nur so können die Nachfolger beginnen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und, ja, Fehler zu machen um daran wachsen zu können. Ohne diesen Schritt bleibt alles Fassade.
Wie erlebst Du das Thema „Loslassen“ bei Unternehmerfamilien oder in Deinem Umfeld? Und woran erkennst Du, dass ein Generationswechsel nicht nur organisiert, sondern wirklich innerlich vollzogen ist?
Schreib es mir gerne hier