Ich will das klären, und zwar dahingehend, dass du dich irrst.
Diesen Satz habe ich neulich in einer Runde mit fünf Vorständen gehört. Er klang hart, fast wie ein Urteil. Ich spürte sofort: Hier geht es nicht mehr um die Sache, sondern darum, wer Recht hat. Und das kenne ich – wir alle kennen das. Es ist menschlich, sich sicher zu fühlen, wenn man überzeugt ist, mit seiner Sichtweise recht zu haben. Aber was macht das mit dem Gespräch? Mit dem Team? Es entsteht eine Mauer. Hier Ich: richtig. Dort Du: falsch.
In solchen Momenten habe ich gelernt, dass es eine andere Haltung braucht. Anstatt zu beweisen, dass der andere falsch liegt, kann ich zum Beispiel fragen: „Was siehst du, was ich vielleicht übersehe?” Oder: „Was ist dein Gedanke hinter dieser Meinung?” Und dann einfach mal zuhören, ohne sofort zu widersprechen. Das ist nicht leicht, weil das Ego gerne gewinnen will. Aber genau hier beginnt Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
In Führungsteams erlebe ich oft, wie schnell Diskussionen zu einem Wettkampf um das bessere Argument werden. Schlagabtausch heißt das dann – und wird oft wie ein Schaukampf in der Arena des Meetingraums ausgetragen. Das lähmt die Entwicklung. Denn wenn jeder nur zeigen will, dass er recht hat, bleibt das Beste auf der Strecke: das gemeinsame Lernen. Ich glaube, echte Stärke zeigt sich darin, Fragen zu stellen und offen zu bleiben – selbst wenn man von seiner Meinung sehr überzeugt ist. Oder gerade dann. Das braucht Mut, denn es ist nicht auszuschließen, dass der andere doch recht haben könnte und wir dies als Bedrohung empfinden. Und manchmal auch Demut, wenn es tatsächlich so ist.
Ich frage mich: Wie würde sich die Stimmung verändern, wenn wir weniger Recht haben wollen und mehr verstehen wollen? Wie oft sind wir bereit, unsere Haltung zu überprüfen? Für mich ist genau das die Grundlage für echtes, lebendiges Unternehmertum und starke Teams. Keiner von uns ist so schlau wie wir alle zusammen.
Wann hast du zuletzt bewusst zugehört, obwohl du sicher warst, dass du Recht hast? Schreibt mir gerne hier.
Bildquelle: ChatGPT