Mich beschäftigt etwas und ich habe eine echte Frage euch alle. Da brauche ich bitte eure Mithilfe, um aus meiner Gedankenschleife endlich raus zu kommen! Also:
Ein befreundeter Kollege wollte unbedingt bei meinem Leadership-Training hospitieren. Normalerweise lehne ich das ab – aber sein Wunsch war so groß und nachhaltig, dass ich mich beim Kunden für ihn einsetzte. Voraussetzung: alle Teilnehmenden des Programms sind einverstanden.
Viel Arbeit war es nicht und das Ok kam auch bald – aber es war für mich aus mehreren Gründen ein Schritt gewesen, der mich etwas gekostet hat.
Eine Woche vor dem ersten Leadership-Training, an dem der Kollege teilnehmen wollte, rief er an und sagt ab. Er hätte einen anderen, für ihn super wichtigen Termin, der jetzt dazwischengekommen sei, es täte ihm total leid, Entschuldigung, bitte nicht böse sein!
Großes ehrliches Bedauern vom Kollegen.
Aber ich hätte k****n können.
Muss ich vermutlich auch hier nicht näher erklären.
Genau das sagte ich ihm auch. Ich habe ihn nicht abgewertet, aber klar zum Ausdruck gebracht, wie sehr mich das ärgert und dass ich sein Verhalten mir und letztlich auch dem Kunden gegenüber rücksichtslos finde. Im wahrsten Sinn des Wortes.
Seine Reaktion war nicht etwa Verständnis, oder zerknirscht sein. Sondern entrüstetes Zurückweisen meiner Kritik.
Er hat sich doch entschuldigt! Und ihm tut es ja auch leid! Überhaupt: er sei ja ganz sicher derjenige, der sich bei der ganzen Sache am meisten ärgere, dass es nicht klappt mit der Hospitation. Und dass ich jetzt da auch noch so draufhaue – das findet er gar nicht gut.
Seit diesem Gespräch treibt mich eine Frage um, die ich selbst mit meinem professionellen Wissen nicht beantwortet und eingeordnet kriege:
Ist es in Ordnung, ihn mit meinen Emotionen (Enttäuschung, Ärger und Frust) zu konfrontieren, auch wenn er sich zuvor ja schon – durchaus ernstgemeint – entschuldigt hat? Oder ist das nur ein Nachtreten ohne Mehrwert?
Ich weiß natürlich, dass ich ein Recht habe auf meine Gefühle in der Angelegenheit. Und ich weiß auch, dass ich ein Recht habe, diese zu äußern. Aber dieser Effekt „Warum kommt von Dir jetzt noch all die Kritik, wo doch gesagt habe, wie leid es mir tut?“ – da hänge ich in einer Dauerschleife fest.
Genau deshalb freue mich sehr über eure Gedanken und Blickwinkel dazu! Schreib mir gerne hier
Vielen Dank schon einmal dafür!