Dein Mund sagt: Ja. Deine Mimik: Vielleicht. Und was denkt jetzt Dein Team?
Nach einem Vortrag kommt kürzlich eine Frau zu mir. Sie sagt: „Johannes, ich habe ADHS. Und deshalb spüre ich sofort, ob jemand echt ist oder nicht. Bei dir war alles stimmig: Worte, Gesicht, Körper.“ Das zu hören hat mich berührt.
Wir kommen ins Gespräch und sie erklärt mir, dass Menschen mit ADHS alle Reize sehr unmittelbar und viel klarer wahrnehmen, als Otto Normalverbraucher es tut. Unstimmigkeiten nehmen sie deshalb schneller und vor allem ungefiltert auf – und haben Stress damit, weil sie es nicht einordnen können, nicht wissen, woran sie bei diesem Menschen sind.
Seitdem achte auch ich noch mehr als bisher schon auf diese feinen Zeichen bei meinen Kunden. Der Geschäftsführer, der „total begeistert“ ist, aber beim Sprechen sich anhört wie bei einer Trauerrede. Die Vorständin, die im Meeting freundlich lächelt, aber beim Thema Strategie kaum jemandem in die Augen schaut. Das Team fühlt so etwas sofort – auch ohne Worte.
Was sind die Folgen? Menschen werden still. Oder zynisch. Oder sie wechseln in den Dienst nach Vorschrift. Nicht wegen der Sache. Sondern weil sie der ganzen Sache – dem Menschen – nicht trauen.
Die Frau mit ADHS war für mich wie ein Spiegel. Sie hat mir gezeigt: Authentizität ist kein weiches Wort. Es ist ein klares Signal an Dein Umfeld: Meinst Du es wirklich so, wie Du es sagst? Bist Du innerlich dabei – oder spielst Du Deine Rolle nur?
Heute frage ich mich vor wichtigen Runden: Stehe ich mit meinem ganzen Körper hinter meiner Aussage? Wenn ich ein Vielleicht spüre, spreche ich es aus. Ich sage dann zum Beispiel: „Ein Teil von mir ist sich noch unsicher.“
Welche Menschen in Deinem Leben spüren Deine Authentizität sofort – und was lernst Du von ihnen über Dein eigenes „Ja“? Schreib es mir gerne hier
Bildquelle: chenspec