Der Psychologe hat recht – genau deshalb scheitert es in der Praxis.
Im Harvard Business Manager 1/2026 beschreibt Shlomo Ben-Hur sehr treffend, warum Führungskräfte
unter Druck auf alte Muster zurückgreifen:
Autopilot, Konfliktvermeidung, Absicherung, Kontrolle.
Das ist fachlich richtig. Und für viele CEOs trotzdem frustrierend. Denn die meisten, mit denen ich arbeite,
wissen das längst.
Sie wissen
· dass sie unter Druck enger führen
· dass sie Entscheidungen zu lange selbst treffen
· dass Konflikte im Führungsteam zu oft vertagt werden
· und dass Verantwortung immer wieder nicht dort liegt, wo sie liegen sollte
Und trotzdem ändert sich wenig. Nicht, weil diese CEOs unreflektiert wären. Sondern weil ihr Alltag genau das verhindert, was der Artikel voraussetzt:
Zeit, Distanz und ein tragfähiges Gegenüber.
Im realen Unternehmensbetrieb passiert deshalb etwas anderes:
Je höher der Druck,
· desto schneller greift der CEO selbst ein
· desto stiller wird die zweite Ebene
· desto mehr verfestigen sich die alten Muster
Der Autopilot ist also nicht das Problem. Er ist die Notlösung eines Systems, das anders nicht mehr weiter weiß. Selbstführung ist kein Ersatz für Führung. Aber sie ist ihr Anfang.
Zuerst kommt die Selbsterkenntnis:
Ah – so ticke ich unter Druck.
Dann braucht es Selbstversöhnung:
den eigenen Mustern nicht mehr auszuweichen, sondern sie einzuordnen, zu relativieren,
neue Blickwinkel zuzulassen.
Ohne diesen inneren Schritt bleibt jedes Handeln später mechanisch.
Wirksam wird Selbstführung erst dann, wenn aus Erkenntnis Haltung wird und aus Haltung konkretes Führungsverhalten:
· andere Entscheidungen
· klarere Verantwortungsgrenzen
· weniger Eingreifen, mehr Zumutung
· Konflikte, die nicht länger geschont werden
Dann wird aus innerer Selbstführung auch glaubwürdige und damit nachhaltige Mitarbeiterführung.
Nicht die Frage „Was läuft in mir ab?“ entscheidet über Wirkung. Sondern: „Was verändere ich im Führungssystem, weil ich mich selbst besser verstehe?“
Wenn du als CEO weißt, dass du dich selbst inzwischen gut verstehst, aber dein Führungssystem noch genauso reagiert wie früher, dann lohnt sich ein genauer Blick. Nicht auf dich allein. Sondern auf das Zusammenspiel Deiner innerer Klarheit und äußeren Führung.
👉 Was hat sich in deinem Führungsteam konkret verändert, seit du dich selbst besser kennst?
Schreib es mir gerne hier – oder denk einen Moment ehrlich darüber nach.