Valide. Reliabel. Objektiv. Und trotzdem am Ziel vorbei.

Was ist wertvoller: ein wissenschaftlich fundierter Persönlichkeitstest wie der Big Five – oder ein Test aus der Frauenzeitschrift Brigitte? 

Die Antwort ist nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. 

Ich selbst habe in letzter Zeit beispielsweise den LINC-Test, den Motivationstest id37, den Profiling Values Test und den Personality Assessment Test gemacht. Mit letzterem begleite ich seit Jahren die Personalauswahl vieler Kunden. 

Alle sind objektiv, reliabel und valide. Unbestritten. 

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass keiner der Tests für sich beanspruchen kann, in allen Punkten richtig zu liegen. Eine gewisse Fehlerquote liegt in der Natur eines jeden Testverfahrens, und sei es noch so ausgeklügelt. 

In all diesen Tests habe ich mich deshalb auch in den meisten Punkten wiedergefunden. In einzelnen Aspekten jedoch wenig oder gar nicht. 

Das kann natürlich an meinen blinden Flecken liegen. Nach 35 Jahren persönlicher, bewusster und gezielter Selbstentwicklung wage ich jedoch zu behaupten, dass es nicht mehr viele davon gibt. Ich kenne mich extrem gut, inklusive aller Schattenseiten.

Und nun zur Brigitte, die natürlich nur stellvertretend für alle Tests steht, die wöchentlich in allen möglichen Zeitschriften auftauchen. Oder 24/7 im Web zu finden sind.

Das Erstaunliche ist nämlich: Wenn man diese Tests ausfüllt und danach die Auswertung liest, stellt man fest: Oh Wunder! Auch da finde ich mich wieder und habe einige Punkte, bei denen ich denke: Genau so bin ich! Und andere, die ich kritisch sehe. 

Nichts anderes also als bei den großen, professionellen Testverfahren. 

Jetzt kommt meine ketzerische These, bei der alle Wissenschaftler*innen gerne aufschreien dürfen, weil sie natürlich wehtut.

Meiner Meinung nach zählt am Ende des Tages nicht, ob ein Test valide, reliabel und objektiv ist. 

Entscheidend ist allein, ob die Person, die den Test gemacht hat, ins Nachdenken kommt. Ob sie sich reflektiert. Ob sie sich hinterfragt und an der einen oder anderen Stelle eine neue Erkenntnis gewinnt, die sie vorher nicht hatte. 

Vielleicht trifft sie am Ende sogar die Entscheidung, in ihrem Verhalten an sich arbeiten zu wollen. 

Wenn diese Entscheidung zur persönlichen Entwicklung auf der Brigitte beruht und nicht auf den Tests aus der Big-Five-Kategorie, dann ist in meinen Augen das Ziel erreicht. 

Oder? Wie seht ihr das? Ich bin echt gespannt, ob ich mit dieser Sichtweise allein dastehe. Schreib mir gerne hier

Bildquelle: ChatGPT

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